Schmetterlinge im Bauch. Ein flaues Gefühl vor einem wichtigen Gespräch. Magendruck, wenn wir unter Druck stehen. Oder dieses schwer zu erklärende Bauchgefühl, das uns sagt: Irgendetwas stimmt hier nicht.
Dass sich unser inneres Erleben im Bauch bemerkbar machen kann, ist weit mehr als eine Redewendung.
Gehirn und Verdauungssystem stehen in einem ständigen Austausch miteinander. Diese Verbindung wird häufig als Darm-Hirn-Achse bezeichnet.
Stress, Angst und emotionale Belastungen können dadurch Einfluss auf Magen und Verdauung nehmen. Gleichzeitig können Signale aus unserem Verdauungssystem wiederum unser Wohlbefinden und Erleben beeinflussen.
Unser Bauch reagiert also nicht losgelöst von dem, was wir erleben.
In der Wand unseres Verdauungstraktes befindet sich ein komplexes Netzwerk aus Nervenzellen: das enterische Nervensystem. Es wird umgangssprachlich auch als „Bauchhirn“ bezeichnet. Dieses Nervensystem kann viele Vorgänge unserer Verdauung weitgehend selbstständig steuern. Gleichzeitig kommuniziert es fortlaufend mit unserem Gehirn – unter anderem über Nervenbahnen wie den Vagusnerv sowie über hormonelle, immunologische und weitere Signalwege.
Diese Kommunikation funktioniert in beide Richtungen: Das Gehirn beeinflusst den Bauch – und der Bauch beeinflusst das Gehirn.
Deshalb können wir Anspannung, Angst oder Aufregung manchmal ganz unmittelbar körperlich wahrnehmen.
Das Spannende daran ist:
Es muss nicht einmal etwas im Außen passieren. Manchmal genügt bereits der Gedanke an ein schwieriges Gespräch. Die Erinnerung an eine belastende Situation. Die Vorstellung von etwas, das uns bevorsteht. Oder das Gefühl, einer Situation nicht gewachsen zu sein.
Unser Nervensystem kann darauf reagieren – und bei manchen Menschen meldet sich besonders schnell der Magen oder die Verdauung.
Druck von außen kann dann tatsächlich als Druck im Inneren spürbar werden.
Warum reagiert der eine – und der andere nicht?
Und hier wird es besonders interessant. Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben und vollkommen unterschiedlich darauf reagieren. Der eine bekommt Herzklopfen. Der andere kann nicht schlafen. Ein anderer bekommt Kopfschmerzen. Und bei manchen Menschen meldet sich besonders deutlich der Bauch. Warum das so ist, lässt sich nicht mit einer einzigen Ursache erklären.
Unsere körperlichen Reaktionen entstehen aus einem komplexen Zusammenspiel von Nervensystem, Wahrnehmung, Erfahrungen, körperlichen Voraussetzungen und der jeweiligen Situation. Unsere Reaktion ist individuell. Und genau deshalb finde ich die Frage so spannend:
Warum reagiert mein Körper gerade jetzt – und warum auf diese Weise?
Und was ist mit unserem Bauchgefühl?
Neben all diesen körperlichen Vorgängen gibt es noch etwas, das wir aus unserem Alltag sehr gut kennen:
unser Bauchgefühl.
Manchmal wissen oder spüren wir etwas, bevor wir es mit unserem Verstand erklären können. Wir fühlen uns bei einer Entscheidung wohl oder unwohl. Eine Situation fühlt sich richtig an – oder eben nicht. Wir spüren ein inneres Ja oder Nein, obwohl wir noch keine logische Begründung dafür haben.
Was wir umgangssprachlich als Intuition oder Bauchgefühl bezeichnen, lässt sich nicht einfach mit dem enterischen Nervensystem gleichsetzen.
Und trotzdem ist interessant, wie eng Wahrnehmung, Emotionen, Körperempfindungen und unsere bisherigen Erfahrungen miteinander verbunden sind.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, unseren Bauch nicht nur als Verdauungsorgan wahrzunehmen.
Sondern auch einmal neugierig zu werden:
Was spüre ich eigentlich gerade?
Wann reagiert mein Bauch besonders deutlich?
Welche Situationen, Gedanken oder Gefühle gehen dem voraus?
Und vielleicht die spannendste Frage:
Was verändert sich, wenn ich nicht sofort versuche, dieses Gefühl wegzumachen – sondern ihm zunächst zuhöre?
Für mich bedeutet u.a. die „Weisheit des Bauches“, den eigenen Körper wieder bewusster wahrzunehmen und neugierig auf die individuellen Zusammenhänge zu werden.
Und sich folgende spannende Frage zu stellen:
Was darf ich für mich Wichtiges erkennen, wenn mein Körper sich meldet?
Hast du mit immer mit wiederkehrenden stressbedingten Magen - und Verdauungsproblemen zu kämpfen?