Der kleiner Hunger

20. Jun 2024,

Was ist für Dich der kleine Hunger in Deinem Alltag und was passiert bei Dir wenn der kleiner Hunger kommt? Das wurde ich vor kurzem gefragt und mein erster Gedanke war, was ist denn bitte ein KLEINER Hunger?

Bei dem „kleinen Hunger“ geht es um etwas, das in unserem Leben immer mal wieder kurz aufflackert und dann doch sehr viel Raum einnehmen kann. Klein zwar aber eben doch ein Hunger. Ein Hunger nach Bestätigung, nach Lob, nach Kuscheleinheiten oder einfach nach einem guten Gefühl. Was machst Du, wenn bei Dir der kleine Hunger kommt und mit ihm die Sehnsucht nach etwas, das du gerade vermisst und gefühlt dringend brauchst?
Was sind das für Momente, in denen uns der kleine Hunger überkommt und man sich plötzlich am Rand eines tiefen Lochs wiederfindet und spürbar merkt, dass die Energie runtergeht?
Es sind Momente, in denen ich mich noch kurz vorher total in Ordnung gefühlt habe und mich von einem Moment auf den anderen in einer Situation oder in einem Zustand wiederfinde, in dem ich mich nicht mehr zufrieden fühle und mich irgendetwas jetzt sofort „nähren“ muss, damit es mir wieder besser geht und ich mich sicher fühlen kann. Wer kennt das nicht? Der Wunsch nach einer Umarmung, einem Lob vom Chef, einer Entschuldigung der Kollegin, einem Schulterklopfen, einem verbindenden Moment mit einer anderen Person oder eine liebevolle Geste.

Kennst du auch diese Momente? Wenn dieser Kleine Hunger kommt, gibt es zwei Wege diesem zu begegnen: Flüchten oder Bleiben.

In solchen Momenten etwas zu Essen, Netflix zu gucken, einen Podcast zuhören und einen Spaziergang zu machen oder sich anderweitig abzulenken sind natürlich legitim. Langfristig wird dann aber die Häufigkeit der Hüngerchen zunehmen, d.h. die Frequenz des kleinen Hungers wird sich steigern. Woran das liegt? Weil die Ursache des kleinen Hungers durch unser flüchtiges Tun einfach überlagert wird. Die Ursache ist aber noch da und will in unserem Leben gesehen und erkannt werden.
Der andere Weg ist also das Bleiben, das Reingehen in die Situation mit der inneren Frage:

Warum brauche ich gerade Bestätigung, Kuscheleinheiten oder den lobenden Schulterschlag? Warum brauche ich das jetzt vom Außen? Wie sieht es denn gerade in mir aus? Warum fühle ich mich im Mangel? Bin ich mir gerade selbst genug? Habe ich das starke Gefühl aus mehr selbst heraus, dass ich genau richtig bin, so wie ich bin? Und wenn nicht, warum? Allein sich diese Fragen zu stellen und diesen Teil in Dir zu beleuchten, der gerade so viel Aufmerksamkeit aus dem Außen habe möchte, lässt den Wind der Bedürftigkeit schwächer wehen. Uns wurde in der Kindheit oder Jugend oft eingeredet, wie wir sein müssen. Manchmal war Aufmerksamkeit oder das Gefühl in Ordnung oder wertvoll zu sein an eine Bedingung geknüpft. Fleißig sein, anpassungsfähig, lieb oder nur liebenswert, wenn wir etwas leisten oder richtig gut machen. Sich so zu akzeptieren, wie man ist, sich selbst in dem Mittelpunkt zu stellen und sich zu fragen: Was tut mir jetzt gut? Was bin ich mir wert? Unabhängig vom Außen! Dies haben wir oft verlernt.

Und wenn ich zu dem Schluss komme, dass ich heute nicht so gut „drauf“ bin. Dann ist das so. Dann bin ich das heute. Und das ist total In Ordnung. Das zu beleuchten und Dir selbst Raum zu geben für das, was gerade ist - lässt nicht nur den Wind der Bedürftigkeit leichter wehen, sondern verkleinert mit der Zeit auch das Segel auf den der Wind trifft. Ein kleineres Segel schiebt dich nicht einfach mehr in eine Richtung oder mal so eben in ein schwarzes Loch hinein. Das Außen bekommt nicht mehr so viel Macht denn du wirst spüren, wie heilsam es ist hinzuspüren, zu bleiben und Dich für diesen Moment ganz zu öffnen. Wie es ist Dich Dir liebevoll zuzuwenden und Dich nicht abzulenken. Das, was Dir Energie gibt aus Dir selbst heraus noch viel mehr in deinen Alltag einzuladen und zu leben. Sei es, dass du Dir liebevoll selbst mal auf die Schulter klopfst, und erkennst, wie wundervoll du bist und gleichzeitig unvollkommen. Dass Du erkennen darfst, dass Du Dich toll finden kannst auch wenn dir das niemand spürbar zeigt oder sagt. Nimm Dir Zeit und beschäftige Dich damit, was Du an Dir einfach unwiderstehlich findest. Was dich ausmacht und authentisch sein lässt. Kein anderer Mensch ist so wie Du und Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Also wenn der kleine Hunger kommt – bleib bei Dir, spüre Dich, atme bewusst und befeuere das in Dir was sich leicht, frei und richtig gut anfühlt. Aus Dir selbst heraus. Sei es Dir Selbst-Wert.

Alles Liebe,
Juliane

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